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Bereits in den 80ern und 90ern Jahren war in der Stockergasse 2,
im traditionsreichen Bezirk Lend - in der Achse zwischen dem Südtirolerplatz und dem Lendplatz - ein Lokal mit dem Namen „Scherbe“ beheimatet. Mitte der 90er bis zum Jahr 2005 gab es mehrere Versuche, Gastronomiebetriebe mit unterschiedlichsten Schwerpunktausrichtungen an diesem Ort zu positionieren.
Im Mai 2005 wurde "die scherbe" wiedereröffnet.
Behutsam wurde der Gastraum neu gestaltet und nach und nach die dazugehörende Kellerräumlichkeiten ausgebaut. Der große, als Halle definierte Gastraum im Erdgeschoß ist auf der Straßenseite durch eine großzügige Glasfassade begrenzt, die das Leben draußen wie selbstverständlich ins Lokal einbezieht.
Das Scherbenviertel im Grazer Bezirk Lend
Geschichte
Zentrum des Bezirks bildet der Bereich entlang des rechten Murufers, von der Annenstraße Richtung Norden (der historisch
dem nördlichen Teil der alten Murvorstadt entspricht), dem seit jeher besondere verkehrstechnische Bedeutung zukommt. Zuerst durch den Verkehr am Fluss (Floßlend) und ab dem 17. Jh. durch
die Nord-Süd-Hauptverbindung (Wien-Triest-Laibach) durch die Wiener Straße über den Lendplatz. Als der überregionale Verkehr längst verlagert war, blieb der Lendplatz als Endstation für die Buslinien aus der Weststeiermark sowie durch die innerstädtische Anbindung an die Tramlinien 2 und 3 bis in die 1960er Jahre lebendige Verkehrsdrehscheibe. Der Lendplatz und seine Umgebung waren immer „Handelsumschlagplätze“ mit Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben sowie gewerblicher Infrastruktur. Noch heute zeugen der Mühlgang und der Markt am Lendplatz von dieser Entwicklung.
Soziale Struktur und Transformation
Die alte Murvorstadt (die heutigen Bezirke Gries und Lend) war und ist der Stadtteil, der all jene aufnahm und aufnimmt, die in den bürgerlichen Bezirken des linken Murufers unerwünscht sind: Gesindel, Gesetzlose und Verbrecher in früheren Zeiten, Zuwanderer und MigrantInnen heute. Im ausgehenden 19. Jh. und zu Beginn des 20. Jhs. war Lend ein Arbeiterbezirk mit Wohn- und Arbeitsstätten mit 30.000 Einwohnern. In der zweiten Hälfte des 20. Jhs. jedoch schlossen traditionell industrielle Produktionsbetriebe ihre Pforten und Anfang der 1990er Jahre wurde aus der Mariahilferstraße eine Fußgängerzone, was wiederum eine starke Veränderung innerhalb der traditionellen Gewerbestruktur bewirkte. Heute ist vieles anders. Das nun vorherrschende multikulturell-bunte Klima des Bezirkes ist sicher einer der Gründe, warum sich junge, kreative Köpfe genau hier ansiedelten und ihre Wirk- und Werkstätten gründeten. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die seit Jahrhunderten niedrigen Immobilien- und Mietpreise, sowie die Errichtung des Kunsthauses im Zuge der Grazer Kulturhauptstadt im Jahre 2003. Innovative UnternehmerInnen, KünstlerInnen, DesignerInnen, VeranstalterInnen uvm. leben und arbeiten nun hier, kreieren und phantasieren und erschaffen Neues mit dem Willen, das Potential
der Umgebung zu nutzen, um auf diesem Weg ihren Drang nach Projekten auszuleben und Nachhaltiges zu schaffen. Mit diesem Einzug neuer urbaner Produktions- und Lebensformen ändert sich auch der städtische Raum und dessen Wahrnehmung. Träger dieser urbanen Renaissance sind die kreativen Menschen und AktivistInnen, die den Stadtraum und die bauliche Struktur für sich entdecken, nutzen und beleben. Vernetzung wird hier aktiv gelebt. Und dadurch entsteht Flair in der Stadt – oder zumindest im Scherbenviertel.
Und auch der Presse blieb das Aufblühen dieses Viertels nicht unerkannt. Zahlreiche Artikel widmen sich dem Phänomen dieses Standortes, seinem Charme und den (Inter-)Aktivitäten der ansässigen Kreativen.
Und mitten drinnen – "die scherbe".
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